1933

Aus AKdia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zurück

1933

  • Der Stundenlohn der Waldarbeiter liegt bei 30-34 Pfennig ((Habbel 1995, S. 241) (sts)
  • In der Stadt besteht ein Lager des freiwilligen Arbeitsdienstes, der in der Umgebung Rodungs- und Meliorationsaufgaben ausführt. (Amt Altenkirchen 1936 S.6) (eb)
  • Unter der Bevölkerung der Stadt leben 120 Personen, von denen in der Sprache der Zeit 107 als "Volljuden" bezeichnet werden, 10 als "Mischlinge" (vgl. Kuss 1998) gelten und drei nichtjüdische Ehefrauen sind. (Blohm 2008, S.18) - Ihnen gehören 31 jüdische Gewerbebetriebe, darunter 12 Viehhandel, 5 Textilhandel und 4 Metzgereien. (Blohm 2008, S.166) (eb)
  • Von Altenkirchen aus wird eine kleine Schrift aus der Feder von Gertrud Zillich vertrieben mit dem Titel Leidgeprüft - Lebenserfahrungen unserer Kaiserin Auguste Viktoria.
ab 1. Januar - Der Ortslohn für gewöhnliche Tagarbeiter beträgt pro Tag für männliche Personen unter 16 Jahren 1,20 RM, für weibliche 0,90 RM, zwischen 16 und 21 Jahren für männliche 2,00 RM, für weibliche Arbeitskräfte 1,50 RM, über 21 Jahren für männliche 3,00 RM, für weibliche Arbeitskräfte 2,00 RM. (AZ, 16.12.1932) (eb)
2. Januar - Die "Siegblätter. Lokal-Anzeiger für den Kreis Altenkirchen, den Oberbergischen Kreis, für Siegerland und Westerwald" drucken den letzten Teil der in Fortsetzungsfolgen gebrachten Heimaterzählung "Die Hexe von Altenkirchen" von Josef Reuter (Siegblätter Nr. 1, 2.1.1933). Weitere Informationen zum vollständigen Umfang des Textes sowie zum Autor bleiben zu ermitteln. (ak)
Ende Januar - Der Gemeinderat Altenkirchen appelliert an alle Hausbesitzer, bei der Aufnahme von Mietern von auswärts vorsichtig zu sein. In letzter Zeit habe man "eine starke Zuzugsfreudigkeit" registriert und befürchtet, diese Personen könnten über kurz oder lang der Fürsorge anheim fallen. Der Bürgermeister hat veranlasst, dass künftig jedem Zuzug von auswärts eine Verhandlung vorausgeht. (WZ, Nr. 24, 28.1.1933) (ak)
Februar - Die Privatkraftfahrschule Karl Farrenberg erhält vom Regierungspräsidenten zu Koblenz die Erlaubnis zur Ausbildung von Kraftfahrern für Klasse 3b (Siegblätter Nr. 46, 24.2.1933). (ak)
1. Februar
  • Der Reichspräsident löst den Reichstag auf mit der Aussage auf Nachdem sich die Bildung einer arbeitsfähigen Mehrheit als nicht möglich herausgestellt hat (Reichsgesetzblatt, Nr. 10, 7.2.1933, S. 45), um dem am 30. Januar mit der Regierungsbildung beauftragten Adolf Hitler die Gelegenheit zu geben, sich einen Reichstag mit einer Mehrheit nach seiner Vorstellung wählen zu lassen. (eb)
  • Hermann Göring, einer von zwei ins Kabinett Hitlers berufenen Nationalsozialisten, wird als Minister ohne Geschäftsbereich Reichskommissar für den Geschäftsbereich des Preußischen Ministers des Innern. Er wendet sich an die ihm unterstellten preußischen Beamten. Er formuliert die klare Erwartung, dass sie der nationalsozialistischen Politik folgen oder aus ihrem Amt ausscheiden. (Ministerial-Blatt, Nummer 6, 8.2.1933, S.90) (eb)
4. Februar
  • Der Reichspräsident erlässt eine Verordnung zum Schutz des deutschen Volkes, die Regeln für Demonstrationen und politische Druckschriften enthält. (Reichsgesetzblatt, Nr.8, 6.2.1933, S.35-40) (eb)
  • Die preußischen Reichskommissare von Papen und Göring lösen alle Vertretungskörperschaften der Gemeinden und Gemeindeverbände in Preußen auf und setzen den 12. März 1933 als Wahltermin fest. (Gesetzsammlung, Nr.67.2.1933, S.21-22) Die Auflösung wird mit dem 8.2.1933 wirksam, sodass keine rechtsgültigen Beschlüsse mehr gefasst werden können. (Ministerial-Blatt, Nr. 8, 15.2.1933, S.140-141) (eb)
17. Februar - Das preußische Innenministerium fordert von der Polizei, dass die nationalen Verbände (SA, SS und Stahlhelm) unterstützt, als stattsfeindlich deklarierte Organisationen dagegen schärfstens bekämpft werden. (Ministerial-Blatt, Nr. 9, 22.2.1933, S.169) (eb)
28. Februar - Mit der Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat werden die Grundrechte außer Kraft gesetz. Die Polizei wird ermächtigt, ohne gerichtliche Kontrolle Schutzhaft von unbestimmter Dauer zu verhängen. (Reichsgesetzblatt, Nr.17., 28.2.1933, S.83) (eb)
Anfang März - Im Kreis Altenkirchen kommt es (wohl am 2. März) zu "planmäßigen Aktionen" gegen Kommunisten; die Meldung enthält keine für die Stadt Altenkirchen gesondert mitgeteilte Informationen. (WZ, Nr. 53, 3.3.1933) (ak)
3. März - Es ergeht der Erlass zur Weiterführung der Landhilfe für volksschulentlassene Jugendliche. (eb)
4. März - Ein "Deutscher Tag" findet mit SA-Treffen und Rede von Dr. Robert Ley in der Stadthalle vor 1200 Besuchern statt. (Landkreis Altenkirchen 1992, S.101-102) (eb)
5. März
8. März - Es ergeht die Anordnung von Unterrichtsausfall an allen preußischen Schulen "anläßlich der geschichtlichen Wende, die der überwältigende Wahlsieg der nationalen Front für Deutschland bedeutet". (Schultagebuch Michelbach, S.39) (eb) (Propaganda)
10. März - Unter diesem Datum wird vermeldet: "Wie überall in Deutschland, wurden auch hier in Altenkirchen auf Dienstgebäuden Hitler-Fahnen aufgezogen" (WZ, Nr. 59, 10.3.1933). (ak)
12. März
  • Nach der Kommunalwahl ist die Stadt mit Eugen Heinemann und Paul Wiezorke (beide NSDAP), dem Obersteuersekretär Paul Klein (Zentrum), Hermann Lichtenthäler und Fritz Hassel (beide Kampffront Schwarz-Weiß-Rot) im Kreistag vertreten. (Landkreis Altenkirchen 1992, S.109) (eb)
  • Als Ergebnis der vorgezogenen Kommunalwahl setzt sich der Altenkirchener Gemeinderat wie folgt zusammen: NSDAP: Adolf Jahn, Gärtnermeister; Willi Lehmann, Metzgermeister; Wilhelm Kraemer, Hauptlehrer; Wilhelm Zilles 2, Schornsteinfegermeister; Karl Schäfer, Klempnermeister. - SPD: Ernst Nöllgen, Maurerpolier. - Zentrum: Dr. Laurenz Burmann, Kreissyndikus; Ferdinand Becker, Bauunternehmer. - [Liste] Gemeinwohl: August Schäfer, Bauunternehmer. - Vereinigte Bürgerliste: Karl Spahr 2, Schreinermeister; Hermann Wirths, Lokomotivführer. - [Liste] Bachmann: Heinrich Bachmann, Kaufmann. (WZ, Nr. 63, 15.3.1933) (ak)
  • Der Volkstrauertag wird mit öffentlicher Beflaggung angeordnet. (Ministerial-Blatt, Nr. 9, 22.2.1933, S.181) (eb)
13. März - Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda wird geschaffen. (Reichsgesetzblatt, Nr. 21, 17.3.1933, S.104) (eb)
14. März - Preußische Beamte dürfen zukünftig in Dienstkleidung an Veranstaltungen von Parteien und Verbänden teilnehmen, die hinter der Regierung stehen. (Ministerial-Blatt, Nr. 16, 22.3.1933, S.281) (eb)
vor 16. März
  • Sehr ausführlicher Bericht über Ausschreitungen gegen jüdische Geschäftsleute in Altenkirchen, genaues Datum nicht mitgeteilt: In Altenkirchen treffen abends ein angeblicher Standartenführer aus dem Oberbergischen und sein Begleiter per Auto ein, beide uniformiert. Sie "befehlen ihnen in Uniform begegnenden Altenkirchener SA-Leuten, ihnen zu folgen. Dann gingen sie in die verschiedenen jüdischen Geschäfte der Stadt und verlangten Geld, z. T. hohe Beträge, und Kleidungsstücke. Sie bekräftigten ihre Forderungen mit Drohungen der Geschäftsschließung und mit der Waffe in der Hand. Teilweise kam man ihren Forderungen nach. Zwischendurch besuchten sie Wirtschaften. So war es nicht verwunderlich, daß die Leute bald eine sensationslüsterne Menge im Gefolge hatten. Im Schuhgeschäft Davis, das gegen 7.30 Uhr den Laden bereits geschlossen hatte, klingelte der Anführer längere Zeit an der Privateingangstür. Dem am Fenster und später an der Tür erscheinenden Dienstmädchen befahl er, zu öffnen. Als dies nicht geschah, trat er auf die Straße zurück und feuerte vier oder fünf Schüsse in das Oberlicht des Schaufensters. Auch wurde eine Glasscheibe der Tür eingeschlagen. Hier versuchte dann ein hiesiger SS-Mann, dem Unbesonnenen die Waffe abzunehmen, dieser drohte jedoch mit Schießen. Von hier gingen dann die SA-Leute ins Hotel Weißgerber, vor dem sich dann allmählich eine nach Hunderten zählende Menschenmenge angesammelt hatte. Auch der inzwischen hinzugekommenen Polizei gegenüber weigerte sich der Fremde, seine Pistole abzugeben. Die hiesigen führenden Nationalsozialisten, die das Tun des fremden Standartenführers selbstverständlich verurteilten, versuchten mit allen Mitteln, die Ruhe aufrecht zu erhalten." In der Nacht aus Waldbröl anreisende Nationalsozialisten tragen dann angeblich zur Klärung des Falles bei; der angebliche Standartenführer namens Fuchs aus Waldbröl soll bereits aus der NSDAP ausgeschlossen gewesen sein; er wird mit seinem Begleiter "festgesetzt". (WZ, Nr. 64, 16.3.1933) (ak)
16. März - Die NSDAP stellt klar, dass örtliche Anträge auf Absetzung von Beamten und Vorschläge über die Neubesetzung der Stellen nur über den Gauleiter laufen dürfen. (Ministerial-Blatt, Nr. 16, 22.3.1933, S.281) (eb)
21. März
  • Der "Tag von Potsdam" wird in Altenkirchen mit einem Festgottesdienst begangen, die Beamten haben dienstfrei, die Schüler schulfrei. Der Festakt findet in der überfüllten Stadthalle statt. (Heuzeroth 1983, S.24) Fackelzug um 20 Uhr (Schultagebuch Michelbach, S.40) (eb) - "Jüdische Bürger der Stadt, die zum Nationalfeiertag [d. i. der 21. März 1933, "Tag von Potsdam"] ihre Häuser zum Teil auch mit Schwarz-Weiß-Rot beflaggt hatten, wurden von nationalsozialistischer Seite veranlaßt, die Fahnen wieder einzuziehen. Der Aufforderung wurde in allen Fällen nachgekommen, sodaß sich Zwischenfälle nicht ereigneten." (WZ, Nr. 72, 25.3.1933) (ak)
  • Der Reichspräsident erlässt eine Vorordnung zum Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Erhebung (Reichsgesetzblatt, Nr. 24, 22.3.1933, S. 135) , die u. a. Kritik an der Regierung in Form unwahrer oder gröblich entstellter Behauptungen unter Strafe stellt. (eb)
23. März - Mit dem sog. Fettplan (Reichsgesetzblatt, Nr. 26, 24.3.1933, S.143-145) beginnt der Aufbau einer staatlichen Marktordnung für landwirtschaftliche Produkte auf der Grundlage garantierter Festpreise, was ein System indirekter staatlicher Subventionen bedeutet. (Küppers 1984, S.269) (eb)
24. März - Mit dem Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich (Reichsgesetzblatt, Nr. 25, 24.3.1933, S.141) schafft sich der Parlamentarismus selbst ab, da die Gesetzgebung auf die Reichsregierung übergeht (Ermächtigungsgesetz). (Landesherrschaft)(eb)
28. März - Ein Boykott jüdischer Geschäfte und der Arztpraxis wird durch die SA angekündigt. (Blohm 2008, S.168) (eb) - Zum Boykott am 28.3.1933 meldet die WZ: "Dienstag vormittag wurden durch SA-Leute sämtliche jüdischen Geschäfte der Stadt für etwa eine halbe Stunde geschlossen. Diese Maßnahme war als Auswirkung der Gegenaktion gegen die jüdische Greuelpropaganda im Ausland zu betrachten"[so!] (WZ, Nr. 76, 30.3.1933) (ak) - In den folgenden Monaten und Jahren nimmt der Druck auf die jüdischen Gewerbetreibenden ständig zu, den Betrieb aufzugeben und zu verkaufen. (eb)
31. März
  • In der ersten Stadtratssitzung nach der vorgezogenen Kommunalwahl vom 12. März wird der Kandidat der NSDAP Adolf Jahn durch Zuruf einstimmig zum Gemeindevorsteher gewählt. (Protokollbuch 1930-1935, S.139) (eb)
  • Das Vorläufige Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich (Reichsgesetzblatt, Nr. 29, 2.4.1933, S.153-154) erlaubt den Eingriff in Landes- und Gemeinderechte und bereitet die Abschaffung der Länder vor. (eb)
  • Die Erfassung im Amt Altenkirchen vom 1.1.1932 bis 31.12.1932 ergab bei einer Einwohnerzahl von 9739 (10.10.1932) 1143 Empfänger von Arbeitslosenunterstützung , 2254 Zuschlagsempfänger von Arbeitslosenunterstützung, 1103 Empfänger von Krisenunterstützung, 2350 Zuschlagsempfänger von Krisenunterstützung, 625 Wohlfahrtserwerbslose, 1412 Zuschlagsempfänger von Wohlfahrtsunterstützung. (Amt Altenkirchen 1932 S.4) Damit erhalten 8987 oder 92 % der Bewohner des Amtes aus der Wirtschaftskrise resultierende Transferleistungen. (eb)
5. April - Landrat Dr. Boden, der Kreiswohlfahrtsdirektor Hohl und der Kreissparkassendirektor Aengenheyster werden beurlaubt. (Heuzeroth 1983, S.28) (eb) - Diese Abberufungen sind auch Gegenstand einer Meldung in WZ, Nr. 84, 8.4.1933. (ak)
6. April - Kreisbaurat Metzler und Wohlfahrtsdirektor Hohl werden verhaftet. (Landkreis Altenkirchen 1992, S. 105) Metzger wurde zunächst verurteilt, seine Verurteilung wurde später aufgehoben, er aber aus dem Amt entlassen. (eb)
7. April
  • Kreisleiter Vetter "rechnet" in der Kreistagssitzung in der Stadthalle mit der Parteienwirtschaft und dem Landrat "ab". (Krämer 2001, S.107-109)
  • Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (Reichsgesetzblatt Nr. 34, 7.4.1933, S.175-179) erlaubt die Entlassung jüdischer und nicht politisch gewünschter Beamter aus dem Dienst. Es war in den beiden Tagen zuvor in Altenkirchen schon vollzogen worden. (Landkreis Altenkirchen 1992, S.104-105) (eb)
10. April - Der bisherige Kampftag der Arbeiterbewegung am 1. Mai wird durch Gesetz zum Feiertag der nationalen Arbeit umgewidmet. (Reichsgesetzblatt, Nr. 37, 11.4.1933, S. 191) (eb)
20. April - Alle seit dem 1.1.1925 wegen Handlungen aus nationalen Beweggründen verhängten Schulstrafen werden aufgehoben. (Schulblatt, Nr.6, 1.6.1933, S.52) (eb)
21. April - Mit dem Gesetz über das Schlachten von Tieren (Reichsgesetzblatt, Nr. 39, 21.4.1933, S. 203) wird der jüdische Schlachtritus unausgesprochen zum 1.5.1933 verboten. (eb)
22. April - Mit der Verordnung über die Zulassung von Ärzten zur Tätigkeit bei den Krankenkassen (Reichsgesetzblatt, Nr. 42, 25.4.1933, S.222-223) wird den jüdischen Ärzten die wirtschaftliche Grundlage entzogen. In Altenkirchen muss Dr. Simon seine Praxis aufgeben. (Blohm 2008, S.166) (eb)
24. April - Der bereits beurlaubte Landrat Dr. Boden wird in den einstweiligen Ruhestand versetzt (Ministerial-Blatt, Nr. 27, 10.5.1933, S.530) und im Januar 1934 pensioniert. (Lilla 2005, S.15-16) (eb)
25. April - Mit dem Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen (Reichsgesetzblatt, Nr. 43, 26.4.1933, S.225) wird eine Handhabe zur Verweisung jüdischer Schüler und Studenten erlassen, wenn ihr Anteil in der jeweiligen Schule über dem Anteil der sog. Nichtarier im Reichsdurchschnitt liegt. In Altenkirchen gibt es auf der Höheren Stadtschule seit 1932 drei jüdische Schüler, deren Ausschluss nicht zulässig ist, weil sie vor dem 25.4.1933 eingeschult wurden. Einer von ihnen stirbt an diesem Tage. (Blohm 2008, S.174) (eb)
26. April - Das Geheime Staatspolizeiamt (Gestapo) wird in Berlin eingerichtet. (Gesetzsammlung, Nr. 29, 27.4.1933, S.122-23) In jedem Regierungsbezirk wird eine Staatspolizeistelle errichtet, der die Kreis- und Ortspolizeibehörden berichten müssen. (Ministerial-Blatt, Nr. 36, 3.5.1933, S.504-510) (eb)
27. April - Das einzige jüdische Mitglied im Aufsichtsrat der Westerwald-Bank, Hermann Abraham, erklärt seinen Rücktritt. (Krauß/Gerz 2012, S. 74) (eb)
29. April
  • Landrat wird zunächst kommissarisch, ab 1.11. planmäßig (Amtsblatt, Nr. 53 11.11.1933) Dr. Konrad Gorges (bis 6.10.1938) (Amtsblatt, Nr. 23 29.4.1933) und (Romeyk 1994, S.475); er war zuletzt Regierungsrat beim Polizeipräsidium Wuppertal. (Ministerial-Blatt, Nr. 27, 10.5.1933, S.528) (eb)
  • In Abänderung eines Erlasses vom 14.11.1919 werden das Tragen von Abzeichen nationaler Vereine und Verbände und der Anschlag ihrer Werbeschriften in den Schulen genehmigt. (Schulblatt, Nr.6, 1.6.1933, S.54) (eb)
Mai - Es erfolgt die Gründung eines Rheinischen Bauernstandes, der die bisherigen Bauernverbände, die Genossenschaften, die Landwirtschaftskammern, die Fach- und Verbandspresse, den Landhandel, die Verarbeitungsbetriebe für Agrarprodukte und die Landtechnik in einer NS-Organisation vereinigt. (Küppers 1984, S.260) (eb)
1. Mai - Die NSDAP und ihre Organisationen veranstalten auf dem Sport- und Ausstellungsgelände auf der Glockenspitze eine Maikundgebung. (Krämer 1999, S.83) In der Schule gibt es eine Feier mit Rundfunkübertragung aus Berlin. Die Hitler-Jugend beteiligt sich am Festzug. (Schultagebuch Michelbach, S.42) (eb) Vgl. auch 10. April 1933. (Propaganda)
6. Mai - Die Deutsche Arbeitsfront als gemeinsame Organisation von Arbeitern und Angestellten wird unter der Führung von Dr. Robert Ley gegründet. Ihre Aufgabe ist die betriebliche Sozialpolitik. (BAS 1987, S.128) (eb)
8. Mai
  • Der Gärtnereibesitzer Jahn teilt zu Beginn der 2. Stadtratssitzung nach dem 12. März mit, dass er durch Verfügung des Landrats vom 25.4.1933 zum vorläufigen Gemeindevorsteher eingesetzt worden sei. (Protokollbuch 1930-1935, S.142) (eb)
  • Anstelle des gewählten, aber zurückgetretenen Kreissyndikus Dr. Burmann nimmt Joseph Busch seinen Platz ein. (Protokollbuch 1930-1935, S.142) (eb)
  • Ernst Nöllgen und Hermann Wirths erklären, dass sie der NSDAP beigetreten seien. (Protokollbuch 1930-1935, S.142) (eb)
  • Es wird der Beschluss zur Einrichtung eines Stammlagers des freiwilligen Arbeitsdienstes in der Stadt gefasst. (Protokollbuch 1930-1935, S.149-51) (eb)
9. Mai - Aus allen Dienstgebäuden sind Bilder und Büsten von Persönlichkeiten zu entfernen, die am Novembersturz beteiligt waren. (Ministerial-Blatt, Nr. 28, 17.5.1933, S.561) (eb)
12. Mai - Mit dem Gesetz zum Schutz des Einzelhandels (Reichsgesetzblatt, Nr. 50, 13.5.1933, S. 262-264) wird die Expansion und Konzentration im Einzelhandel gestoppt. Es richtet sich gerade auch gegen jüdische Unternehmer. (eb)
15. Mai- Das Staatsministerium erlässt ein Gesetz zum bäuerlichen Erbhofrecht. (Gesetzsammlung, Nr. 34, 17.5.1933, S.165-183) (eb)
19. Mai - Die Tarifhoheit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern wird aufgehoben. Stattdessen werden Treuhänder der Arbeit eingesetzt, die die Löhne festsetzen. (Reichsgesetzblatt, Nr. 52, 20.5.1933, S. 285) (eb)
20. Mai - Beamtenausschüsse als Vertrauensorgane der Beamten werden aufgehoben, weil durch die nationale Revolution Interessengleichheit zwischen Behördenleitung und Beamtenschaft bestehe. (Ministerial-Blatt, Nr. 30, 31.5.1933, S.601) (eb)
23. Mai - Gemeinden haben jede Unterstützung für staatsfeindliche Parteien, Organisatonen und ihre Presse durch Gewährung der Benutzung gemeindeeigener Räume oder Plätze oder ihrer Nutzung zu amtlichen Bekanntmachungen zu unterlassen. (Ministerial-Blatt, Nr. 30, 31.5.1933, S.602) (eb)
Anfang Juni - "Die NSDAP., Ortsgruppe Altenkirchen, zählt jetzt 1000 Mitglieder einschl. der Mitglieder der Unterorganisationen. Die Ortsgruppe wird in 29 Blocks eingeteilt." (WZ, Nr. 134, 12.6.1933) (ak)
Juni - Es kommt zur ersten jüdischen Emigration aus Altenkirchen; es folgen bis Kriegsbeginn 39 weitere. (Blohm 2008, S.182/183)(eb)
Juni - Pfarrer Heinrich Wilhelm Jakobi, Flammersfeld, wird Kreisleiter der Glaubensbewegung Deutsche Christen, einer Gliederung der NSDAP (Mitgliedsnummer 2284094). (Evangelische Kirche 1990, S.69); vgl. auch (Becker 2016)(eb)
1. Juni
  • Das Gesetz zur Regelung landwirtschaftlicher Schuldverhältnisse wird erlassen. (Reichsgesetzblatt, Nr. 61, 1.6.1933, S. 331-344) (eb)
  • Das Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit führt Maßnahmen zur Beschränkung der Beschäftigung weiblicher Arbeitskräfte ein. (Reichsgesetzblatt, Nr.60, 2.6.1933, S.323-329) (eb)
8. Juni - Pfarrer Ludwig Heckenroth begrüßt als Synodalassessor im Jahresbericht des Superintendenten auf der Tagung der Kreissynode Altenkirchen der evangelischen Kirche in Wissen die politischen Veränderungen mit den Worten: "Dazu weht ein neuen Wind unter Gottes gnädiger Leitung im politischen und hoffentlich auch bald im wirtschaftlichen Leben, daß wir wieder einer frohen Zukunft entgegen sehen dürfen." (Verhandlungen der Kreis-Synode Altenkirchen 1933, S. 5) Es war die letzte Tagung bis zum 14.11.1945. (eb)
14. Juni - Die Schulleiter der Volksschulen und Höheren Schulen werden gedrängt, nach der 3. Durchführungsverordnung vom 6.5.1933 zur Gesetz vom 7.4.1933 von allen Beamten ihrer Schule die Abgabe der Erklärung zu verlangen: Ich versichere hiermit dienstlich: Mit sind trotz sorgfältiger Prüfung keine Umstände bekannt, welche die Annahme rechtfertigen könnten, daß ich von nichtarischen Eltern oder Großeltern abstamme; insbesondere hat keiner meiner Eltern- odder Großelternteile zu irgendeiner Zeit der jüdischen Religion angehört. (Schulblatt, Nr.7, 1.7.1933, S.78) (eb)
15. Juni - Der Reichsverband der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine verlangt von seinen Mitgliedsvereinen, Mitglieder mit vaterlandsfeindlicher Gesinnung aus den Listen zu streichen und nicht-arischen Einfluss zu unterbinden. (Westerwälder Schauinsland Nr. 6, 15.6.1933, S.42) (eb)
16. Juni - Es wird eine Volks-, Berufs- und Betriebszählung durchgeführt. (Ministerial-Blatt, Nr. 28, 17.5.1933, S.576-578) Vgl.auch Die Wohnbevölkerung im Deutschen Reich nach der Volkszählung vom 16. Juni 1933. Endgültiges Ergebnis.- Berlin 1934 (eb)
18. Juni - In einem Aufruf des Regierungspräsidenten an die Schulen wird gefordert:In der neuen deutschen Schule muss Gemeinnutz immer vor Eigennutz gehen , muß der Grundsatz lebendig werden, daß der Einzelne nichts, Staat und Volk alles sind. (Schulblatt, Nr.7, 1.7.1933, S.67) (eb)
22. Juni - In einem Runderlass werden alle Behördenleiter aufgefordert, alle Personen, die Unzufriedenheit über Maßnahmen der neuen Regierung äußern, als Miesmacher namhaft zu machen. (Ministerial-Blatt, Nr. 35, 28.6.1933, S.731-732) (eb)
23. Juni
  • Mit der Auflösung des Landgerichtsbezirks Neuwied kommt das Amtsgericht Altenkirchen in den Landgerichtsbezirk Siegen. (Gesetzsammlung, Nr.42, 24.6.1933, S.221-222)(eb)
  • Durch das Gesetz über die Bestätigung von Beamten der Gemeinden und Gemeindeverbände (Gesetzsammlung, Nr.42, 24.6.1933, S.217-221) wird die kommunale Selbstverwaltung abgeschafft. (eb)
27. Juni
  • In der Gemeinderatssitzung wird Pg. Schneider als 10. Fraktionsmitglied der NSDAP eingeführt. (VW, 3.7.1933) (eb)
  • Mit einem Gesetz über die Errichtung eines Unternehmens "Reichsautobahnen" (Reichsgesetzblatt, II, Nr. 28, 30.6.1933, S.509-510) wird die Rechtsgrundlage für den Bau der Autobahnen geschaffen. (eb)
30. Juni
  • Mit einer Strafandrohung von 150 RM oder 4 Wochen Haft wird das Betteln oder Anbieten minderwertiger Leistungen bekämpft. (VW, 3.7.1933) (eb)
  • Verheiratete weibliche Reichsbeamte sind jederzeit auf ihren Antrag aus dem Beamtenverhältnis zu entlassen. Die vorgesetzte Dienstbehörde hat die Entlassung auch ohne diesen Antrag zu verfügen, wenn die wirtschaftliche Versorgung des weiblichen Beamten nach der Höhe des Familieneinkommens gesichert erscheint. (Reichsgesetzblatt), 30.6.1933, S.433) Diese Vorschrift gilt auch für Landesbamte. (Schulblatt, Nr. 6, 1.6.1934, S.61-67) (eb)
  • Der Kreis Altenkirchen wird aus dem Wirtschaftsgebiet Rheinland ausgegliedert und dem Wirtschaftsgebiet Westfalen zugeordnet. (Ministerial-Blatt, Nr. 37, 12.7.1933, S.794) (eb)
Juli - Als Gegenbewegung zur staatlichen Unterstützung der Deutschen Christen entsteht die Rheinische Pfarrbruderschaft, kurz darauf in Berlin der Pfarrer-Notbund. (Beckmann 1975, S.3) Diese Entwicklung zwingt die Ortspfarrer, Stellung zu beziehen. Zu Pfarrer Ludwig Heckenroth vgl. den Eintrag zum 8. Juni 1933, zu Pfarrer Theodor Maas die Notiz bei Fritzsche 1990, S.74. (eb)
1. Juli - Als einziges amtliches Kreisblatt erscheint die "Volkswacht" der NSDAP, die 1937 vom Nationalblatt abgelöst wird.(VW, 1.7.1933) (eb)
  • Alle Angestellten werden aufgefordert, sich im Gesamtverband der deutschen Angestellten zu organisieren. (VW, 17.7.1933) (eb)
3. Juli - Der Kreisbauernführer Heinrich Krämer, Unterschützen, fordert alle Bauern auf, sich als Mitglieder des Rheinischen Bauernstandes anzumelden. Verweigerung bedeutet Mangel an Gemeinschaftsgeist. (VW, 3.7.1933) (eb)
5. Juli - Die Zentrumspartei löst sich auf. (VW, 6.7.1933) (eb)
6. Juli - Viehhandel in den Ställen ist an öffentlichen Markttagen verboten. (VW, 6.7.1933) (eb)
7. Juli - Es ergeht die Verordnung zur Sicherung der Staatsführung (Reichsgesetzblatt, Nr. 78, 11.7.1933, S. 462) (eb) - die Zuteilung von Sitzen auf Wahlvorschläge der SPD und der KPD wird unwirksam. Betroffen davon sind im Amt Altenkirchen sechs Sozialdemokraten und ein Kommunist. Davon u.a.: Der Maurerpolier Ernst Nöllgen, der dem Gemeinderat der Kreisstadt und der Amtsvertretung angehörte. Ferner Amtsvertreter Wilhelm Juhn, Oberwambach, und Otto Eichelhardt, Almersbach. (Helzer 1997) (sts)
8. Juli
  • - Der Gardeverein veranstaltet einen Deutschen Abend in der Stadthalle. (VW, 7.7.1933) (eb)
  • - Der Staatskommissar für die Neugliederung dse evangelischen Kirchenwesens ernennt für die Kreissynode Altenkichen Pfarrer Heinrich Wilhelm Jakobi aus Flammersfeld zum Beauftragten. (VW, 8.7.1933) (eb)
10. Juli - Im evangelischen Gemeindehaus findet die erste Kundgebung für die Glaubensbewegung Deutsche Christen statt. (VW, 12.7.1933) (eb)
11. Juli
  • - Die bisher selbständigen evangelischen Landeskirchen geben sich eine Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche, mit der sie ihre Eigenständigkeit verlieren. (Gesetzblatt der Deutschen Evangelischen Kirche 1933, Nr.1, S.2-9) Vgl. die Einträge zum 14.7.1933 und 23.7.1933. (eb)
  • In der Stadthalle findet eine feierliche Werbeveranstaltung der Deutschen Christen statt. Auf ihr spricht auch Pfarrer Heckenroth, der erklärt, dass "in höchster Notzeit Gott der Kirche diese Bewegung gegeben" habe. (VW, 11. Juli 1933) (eb)
12. Juli - Unter Aufhebung des Runderlasses vom 24.12.1919 über die Entfernung von Kaiserbildern oder monarchischen Hoheitszeichen in staatlichen Gebäuden wird deren Anbringung wieder gestattet, wenn keine Kosten entstehen. (Ministerial-Blatt, Nr. 38, 19.7.1933, S.815-16) (eb)
14. Juli
  • - Es ergeht das Gesetz über die Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche, mit dem alle bisherigen Wahlkörper der Landeskirchen aufgelöst werden. Am 23. Juli sind Neuwahlen durchzuführen. (Reichsgesetzblatt, Nr. 80, 15.7.1933, S. 471)
  • Es ergeht das Gesetz über Volksabstimmung (Reichsgesetzblatt, Nr. 81, 15.7.1933, S.479), das die Grundlage zukünftiger Volksbefragungen bildet. (eb)
  • Es ergeht das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien (Reichsgesetzblatt, Nr. 81, 15.7.1933, S.479), das die NSDAP als einzige legitime Partei anerkennt und so die Grundlage des Parlamentarismus abschafft. (eb)
  • Es ergeht das Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit (Reichsgesetzblatt, Nr. 81, 15.7.1933, S.480), das sich vorrangig gegen jüdische Bürger richtet. (eb)
  • Es ergeht das Gesetz über die Neubildung deutschen Bauerntums (Reichsgesetzblatt, Nr. 85, 22.7.1933, S.517-518), das die Grundlage der Organisation des Reichsnährstandes bildet. (eb)
  • Es ergeht das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (Reichsgesetzblatt, Nr.86, 25.7.1933, S. 529-531), das die Grundlage zu Zwangssterilisierungen und den späteren Morden an Behinderten bildet. (eb)
20. Juli - Beamte im Dienst oder in Dienstgebäuden grüßen mit deutschem Gruß. Es wird erwartet, dass sie das auch außerhalb des Dienstes tun. (Ministerial-Blatt, Nr. 40, 26.7.1933, S.859-60) (eb)
23. Juli - Bei den Kirchenwahlen erhalten die "Deutschen Christen" die Mehrheit in der Deutschen Evangelischen Kirche. (Bender 1983, S.88) (eb)
24. Juli - Es ergeht ein Unvereinbarkeitsbeschluss zur Stellung als öffentlich Bediensteter und Mitglied in der Sozialdemokratischen Partei. (Ministerial-Blatt, Nr. 41, 2.8.1933, S.887) (eb)
28. Juli - Alle Jugendgruppen der Wandervereine werden aufgelöst. (Westerwälder Schauinsland, Nr. Nr. 8, 15.8.1933, S.65) (eb)
29. Juli - Es ergeht eine Verordnung zur Auflösung der kirchlichen Jugendverbände. Der Kreisleiter der Deutschen Christen, der Flammersfelder Pfarrer Heinrich Wilhelm Jakobi, setzt diesen Beschluss im Kreis durch. (eb)
1. August - Der Ortsgruppenleiter der NSDAP, Hermann Marenbach, wird zunächst als Angestellter in die Kreisverwaltung übernommen. (Schreiben von Hermann Marenbach an den Landeskommissar für die politische Säuberung in Rheinland-Pfalz vom 15.2.1950) (eb)
  • Der Schulaufsichtsbezirk Altenkirchen wird als kreisweite Lösung geschaffen. Schulrat Trippen, bisher Betzdorf, wird mit seiner Verwaltung beauftragt. Er wird zum 1.5.1934 nach Altenkirchen versetzt. (Schulblatt, Nr.9, 1.9.1933, S.89 und Nr.6, 1.6.1934, S.61) (eb)
4. August - Ludwig Müller wird als Vertrauter Hitlers in Kirchenfragen Landesbischof der Kirche der Altpreußischen Union. (Schneider 1993a, S.147) (eb)
7. August - Alle aktiven oder ehemaligen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, die bisher Mitglieder der SPD waren , haben eine Erklärung abzugeben, dass sie alle Beziehungen gelöst haben. (Schulblatt, Nr.10, 1.10.1933, S.97) (eb)
8. August - Jeder Beamte muss auch die arische Abstammung seiner Ehefrau nachweisen, sonst ist er zu entlassen. (Reichsgesetzblatt, 8.8.1933, S.575) (eb)
11. August - Die Volkswacht druckt einen inhaltlich sonst recht unbestimmten Vorwurf einer versuchten Vergewaltigung einer Hausangestellten durch den jüdischen Viehhändler Aron Salomon. (VW, 11.8.1933) (eb) Dieser ist Witwer und bereits 75 Jahre alt. Er stirbt am 13.Oktober 1933. (eb)
12. August - Im Rahmen der in ganz Preußen durchgeführten Aktionen gegen kommunistische Parteifunktionäre kommt es auch in Altenkirchen zu Hausdurchsuchungen, bei denen "zahlreiches belastendes Schriftmaterial" beschlagnahmt worden sein soll. Es werden keine Einzelheiten mitgeteilt. (WZ, Nr. 190, 16.8.1933) (ak)
20. August - In Altenkirchen findet anläßlich der Trennung des Kreisbannes der HJ in getrennte Unterbanne für Ober- und Unterkreis ein Generalappell mit 1200 Teilnehmern statt. Den Feldgottesdienst mit 900 Teilnehmern gestaltet Pfarrer Heckenroth. Er erklärt Adolf Hitler sei der von Gott gesandte Führer. (VW, 22.8.1933) (eb)
24. August - Nachdem die SPD zur staatsfeindlichen Organisation (am 22.Juni) erklärt worden ist, wird dem ehemaligen Sozialdemokraten Nöllgen die Ausübung des Mandats untersagt. Zentrumsmitglied Joseph Busch verlässt nach der Selbstauflösung seiner Partei den Gemeinderat , der jetzt nur noch aus NSDAP-Mitgliedern besteht. (Landkreis Altenkirchen 1992, S.106)(eb)
1. September - Bei der einzigen Sitzung der Amtsvertretung, zu der die unter "1. Juli" genannten Sozialdemokraten gar nicht erst zugelassen worden waren, ergreift "vor Eintritt in die Tagesordnung ... der Ortsgruppenleiter der NSDAP, Hermann Marenbach, das Wort. Er führt(.) aus, hinfort könne nur noch die NSDAP eine Fraktion bilden. Er lud Vertreter der anderen Parteien ein, als Hospitanten der NS-Fraktion beizutreten, gab aber gleichzeitig bekannt, daß dieses nicht für die Zentrumsvertreter Busch und Pfeiffer gelte. Diese verließen daraufhin den Sitzungssaal." (Helzer 1997) (sts)
Anfang September - Das in der Hindenburgstraße gelegene Anwesen des Fuhrunternehmers und Bierverlegers Schäfer brennt ab; das Feuer greift von der Scheune auf die Wohngebäude über. Wegen Wassermangels kann die Feuerwehr nichts ausrichten. (WZ, Nr. 209, 7.9.1933) (ak)
6. September
  • Die Evangelische Kirche der altpreußischen Union bestellt auf ihrer Generalsynode Ludwig Müller zum Landesbischof von Altpreußen. Die bisherigen Kirchenprovinzen werden in Bistümer umgewandelt. Das Evangelische Bistum Köln-Aachen wird mit dem bisherigen Ortspfarrer von Asbach-Kircheib Heinrich Josef Oberheid als Bischof errichtet. Dieses Amt versieht er aber nur bis November 1933 und wechselt dann nach Berlin als Chef des Stabes von Ludwig Müller. (Beckmann 1975, S.4)(eb)
  • Es wird ein Kirchengesetz betreffend die Rechtsverhältnisse der Geistlichen und Kirchenbeamten in der rheinischen evangelischen Kirche erlassen. Nach § 1(1) müssen sie rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten. Nach § 3(4) werden Geistliche nicht arischer Abstammung nicht in den Ruhestand versetzt, wenn sie bereits vor dem 1.8.1914 im Dienst waren. Pfarrer Theodor Maas war einer von drei Betroffenen. (Rauthe 2003, S.413 und S.281) (eb)
12. September - Anzeigenwerbung in Zeitschriften und die Gründung von Werbezeitschriften werden genehmigungspflichtig. (AZ, 25.6.1934) (eb)
13. September - Es ergeht das Gesetz über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes (Reichsgesetzblatt, Nr. 99, 18.9.1933, S. 626-627), das Regelungen für Erzeugung, Absatz, Preise und Preisspannen vorsieht, denen sich der Produzent nicht entziehen darf. (eb)
14. September - Der Schulaufsichtsbezirk Altenkirchen wird wieder eingeführt. (VW, 14.9.1933) (eb)
21. September
  • Die Bildung des Milchversorgungsverbandes Altenkirchen wird bekannt gegeben. (VW, 21.9.1933) (eb)
  • Der Pfarrernotbund wird gegründet. Unmittelbarer Anlass ist die Einführung des Arierparagraphen in das Recht der Altpreußischen Kirche. (Schneider 1993a, S.150/51) Vgl. den Eintrag zum 6. September 1933. (eb)
22. September - In der beflaggten Stadt findet eine Weihestunde der Arbeit statt, die von der NSBO und allen NS-Formationen getragen wird. (VW, 23.9.1933) (eb)
27. September - Ludwig Müller wird von der Nationalsynode der Deutschen Evangelischen Kirche in Wittenberg zum Reichsbischof gewählt. (Schneider 1993a, S.151/52) (eb)
29. September - Das Reichserbhofgesetz (Reichsgesetzblatt, Nr. 108, 30.9.1933, S.685-692) untersagt die Erbteilung bäuerlicher Betriebe zwischen 7,5 und 125 Hektar Größe und ihre Kapitalbeschaffung in Form von Hypotheken. Es bestimmt die ungeteilte Erbfolge nur im Mannesstamm. Mit diesem Bruch der Erbgewohnheiten greift es in die Testierfreiheit der Erblasser ein. (Küppers 1984, S.255,263,263) (eb)
1. Oktober
  • Es findet eine Erntedankfeier mit Gottesdienst und Umzug aller NS-Formationen statt, zu der auch ein Sonderzug aus dem Oberkreis eingesetzt wird. (VW, 2.10.1933) (eb)
  • Es gibt eine neue Milchpreisregelung für Läden : 0,25 RM für einen Liter Kannenmilch, 0,28 RM für einen Liter Markenmilch (VW, 21.9.1933) (eb)
  • An diesem Tag soll das neue Postgebäude am Bahnhof dem Verkehr übergeben werden. (WZ, Nr. 220, 20.9.1933; Nr. 225, 26.9.1933) (ak) Widerspruch: Das Postgebäude ist bereits seit 28.9.1932 in Betrieb. (eb)
  • Es gibt den 1. Eintopfsonntag, der zukünftig an jedem 1. Sonntag des Monats stattfinden soll. (VW, 28.9.1933) (eb)
  • Es ergeht die ministerielle Anordnung für die preußischen Schulen, Vererbungslehre und Rassenkunde in den Abschlussklassen sämtlicher Schulen als Pflichtprüfungsstoff zu behandeln. (Schulblatt, Nr.11, 1.11.1933, S.113) (eb)
4. Oktober - Mit dem Schriftleitergesetz (Reichsgesetzblatt, Nr. 111, 7.10.1933, S.713-717) werden alle Zeitungen und Zeitschriften vom Staat beaufsichtigt. Jüdische Schriftleiter sind nicht zugelassen. (eb)
5. Oktober - Der Reichsinnenminister wendet sich gegen Tendenzen, weibliche Beamte aus dem Dienst drängen zu wollen. Er sieht es als gerechtfertigt an, verheiratete Beamtinnen zu entlassen, wenn ihre wirtschaftliche Stellung dauerhaft gesichert ist. (Ministerial-Blatt, Nr. 59, 29.11.1933, S.1365-66) (eb)
9. Oktober - Es gibt eine NSDAP-Kundgebung in der Stadthalle, veranstaltet von der NS-Volkswohlfahrt. (VW, 7.10.1933) (eb)
10. Oktober - Altenkirchen hat mit Dieperzen und Leuzbach 3585 Einwohner, 1874 weibliche und 1711 männliche, darin 918 katholischer, 73 jüdischer und 2531 evangelischer Religion. (AZ, 6.12.1933) (eb)
18. Oktober - Es wird berichtet, dass Arbeitskräfte des Lagers des Freiwilligen Arbeitsdienstes Mackensen auf der Glockenspitze die Wied durch Begradigung von Schleifen regulieren, um Wiesenland zu gewinnen (VW, 18.9.1933) (eb)
26. Oktober - Bauunternehmer Ferdinand Becker übernimmt den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Westerwald-Bank Hachenburg, der zuküntig immer einem Mitglied aus Altenkirchen zufallen soll. (Krauß/Gerz 2012, S.74) (eb)
28. Oktober - Die Schulen haben Unterrichtsfrei zum Simon-Juda-Markt (der noch bis 1935 abgehalten wird). (Schultagebuch Michelbach, S.44) (eb)
31. Oktober - Allen Bürgermeistern des Kreises wird mitgeteilt, dass ab 1. November Schutzhaft nur noch in staatlichen und kommunalen Polizeigefängnissen erfolgen darf, wenn eine Überführung in ein Konzentrationslager nicht möglich ist. Die Kostenübernahme für die Haftkosten wird den Gemeinden für ihre Gefängnisse nicht mehr zugesichert. (Regierungspräsident Koblenz, I.a.1. No. 1009) (eb)
Ende Oktober/Anfang November - Die Frage einer Entschädigung der Gewerbetreibenden, die durch den Konkurs der Altenkirchener Schützengesellschaft 1924 benachteiligt worden waren, war seit Jahren nicht geklärt. Da nach dem vor einigen Monaten abgewickelten Konkursverfahren nur 8% der Forderungen ausgeschüttet worden waren, erhöhte der Gemeinderat diesen Anteil auf 50%. Zu diesem Zwecke sollen jährlich 1.000 Mark 10 Jahre lang ratenweise ausgezahlt werden. Eine Verzinsung der Gesamtsumme von 20.000 Mark soll nicht stattfinden. (WZ, Nr. 259, 4.11.1933) (ak)
1. November - Es gibt eine NSDAP-Kundgebung in der Stadthalle mit Militärkonzert. (VW, 1.11.1933) (eb)
9. November
  • Eine NSDAP-Kundgebung findet in der Stadthalle statt. (VW, 8.11.1933) (eb)
  • Ein Reichstrauertag zum Gedenken der Opfer des 9.11.1923 wird angeordnet. (VW, 9.11.1933) (eb)
12. November - Es findet die 9.Reichstagswahl zur Bestätigung einer NSDAP-Einheitsliste und Volksabstimmung über den Austritt aus dem Völkerbund statt. (Amtsblatt Nr. 49 21.10.1933) In der Volksabstimmung stimmen in der Stadt von 2536 abgegebenen Stimmen 2520 mit Ja und 6 mit Nein, 10 sind ungültige Stimmen. (VW, 13.11.1933) (eb)
13. November - Die Deutsche Evangelische Kirche (DC) gibt sich ein Grundsatzprogramm, das eine "Vollendung der Reformation", "Entfernung des Undeutschen" aus dem Gottedienst, "Entjudung" des Evangeliums und ein "artgemäßes Christentum" vorsieht, das einen "heldischen Jesus" anbetet. (www.wikipedia.de: Artikel Kirchenkampf) (eb)
18. November - Am Amtsgericht wird nach dem Reichserbhofgesetz auf Anordnung des Justizministers ein Anerbengericht für die Bezirke der Amtsgerichte Altenkirchen, Daaden, Kirchen und Wissen eingerichtet. (Gesetzsammlung, Nr. 74, 1.12.1933, S.414-415) (eb)
19. November - Es findet eine Feier des 450. Geburtstags von Martin Luther mit Ausstellung, Gemeindefeier und Gottesdienst statt. (VW, 20.11.1933) (eb)
15. Dezember - Durch das Gesetz über die Anpassung der Landesverwaltung an die Grundsätze des nationalsozialistischen Staates werden alle kollegialen Beschlussorgane abgeschafft. Entscheidungen trifft in der Stadt allein der Bürgermeister. (Gesetzsammlung, Nr. 79, 19.12.1933, S.475-479) (eb)
21. Dezember - Der Reichsbischof verkündet die Eingliederung der Evangelischen Jugendverbände in die HJ. (VW, 22.12.1933) (eb)

Hier weiter zu 1934



Navigation

bis 1 v.Chr.

0001 - 1000 n.Chr.  · 1001 - 1100 n.Chr.  ·1101 - 1150 n.Chr.  ·1151 - 1200 n.Chr.  ·1201 - 1250 n.Chr.  · 1251 - 1300 n.Chr.  ·1301 - 1350 n.Chr.  · 1351 - 1400 n.Chr.  ·1401 - 1500 n.Chr.  · 1501 - 1520 n.Chr.  · n.Chr.  · 1521 - 1540 n.Chr.  · 1541 - 1560 n.Chr.  · 1561 - 1580 n.Chr.  · 1581 - 1600 n.Chr.  · 1601 - 1620 n.Chr.  · 1621 - 1640 n.Chr.  · 1641 - 1660 n.Chr.  · 1661 - 1680 n.Chr.  · 1681 - 1700 n.Chr.  · 1701 - 1720 n.Chr.  · 1721 - 1740 n.Chr.  · 1741 - 1760 n.Chr.  · 1761 - 1780 n.Chr.  · 1781 - 1800 n.Chr.  · 1801 - 1810 n.Chr.  · 1811 - 1820 n.Chr.  · 1821 - 1830 n.Chr.  · 1831 - 1840 n.Chr.  · 1841 - 1850 n.Chr.  · 1851 - 1860 n.Chr.  · 1861 - 1870 n.Chr.  · 1871 - 1880n.Chr.  · 1881 - 1890n.Chr.  · 1891 - 1900n.Chr.  · 1901 - 1910 n.Chr.  · 1911 - 1920 n.Chr.  · 1921n.Chr.  · 1922 n.Chr.  · 1923 n.Chr.  · 1924 n.Chr.  · 1925 n.Chr.  · 1926 n.Chr.  · 1927 n.Chr.  · 1928 n.Chr.  · 1929 n.Chr.  · 1930 n.Chr.  · 1931 n.Chr.  · 1932 n.Chr.  · 1933 n.Chr.  · 1934 n.Chr.  · 1935 n.Chr.  · 1936 n.Chr.  · 1937 n.Chr.  · 1938 n.Chr.  · 1939 n.Chr.  · 1940 n.Chr.  · 1941 n.Chr.  · 1942 n.Chr.  · 1943 n.Chr.  · 1944 n.Chr.  · 1945 n.Chr.  · 1946 - 1950 n.Chr.  · 1951 - 1960 n.Chr.  · 1961 - 1970 n.Chr.  · 1971 - 1980 n.Chr.  · 1981 - 1990 n.Chr.  · 1991 - 2000 n.Chr.  · 2001 - 2005 n.Chr.  · 2006 - 2010n.Chr.  · 2011 - 2015 n.Chr.  ·2016 - 2020 n.Chr.  


Hauptseite  · Die Stadtchronik von Altenkirchen (Westerwald)  · Gang durch die Geschichte: Altenkirchen - Von den Anfängen bis 1945 · Jubiläen  · Das Projekt AKdia  · Einzelne Themen und Verzeichnisse  · Veröffentlichungen im Rahmen AKdias  · Quellentexte  · Literatur & Belege  · Prinzipien  · Links  · Nachrichten  · Vorlagen